Am 8. Dezember 2025 hat das Amtsgericht Gießen den Pachtvertrag zwischen der Stadt Pohlheim und dem FC Gießen beurteilt und dabei festgestellt, dass der FC Gießen das Flurstück Nr. 589/1 (Sportheim, Sportplatz und Tennisplätze) zur alleinigen Verfügung von der Stadt Pohlheim gepachtet hat.
Vorausgegangen war ein im Jahr 2022 von einer parteiübergreifenden Mehrheit getroffener Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, dass der FC Turabdin-Babylon Pohlheim e.V. auf diesem Gelände der Neumühle, neben dem Sportheim des FC Gießen, für sich auf eigene Kosten ein Multifunktionsgebäude in Leichtbauweise errichten darf, um die Sportstätte gemeinsam mit dem FC Gießen nutzen zu können. Als einziger der Pohlheimer Fußballvereine hat der FC Turabdin-Babylon Pohlheim e.V. bis heute keine Heimsportstätte.
Der FC Gießen hatte sich von Anfang an gegen eine gemeinsame Nutzung der Sportplätze an der Neumühle ausgesprochen. Um eine solche gemeinsame Nutzung zu verhindern, hatte der FC Gießen eine Feststellungklage beim Amtsgericht angestrengt, über die nun, am 8. Dezember 2025, entschieden wurde.
In der Verhandlung wurde auch der Bürgermeister a.D. Schäfer als Zeuge gehört. Er hatte dargelegt, welche Ziele mit dem Vertrag zum Zeitpunkt der Vertragsschließung verfolgt wurden. Es sollte mit dem Vertrag geregelt sein, dass das Sportheim in den Besitz des Vereins übergeht, die Stadt Pohlheim aber weiterhin über die Sportplätze verfügt und sie instand hält, so wie es faktisch seit Jahren auch bei den Sportstätten in den anderen Stadtteilen gelebte Praxis ist. Diese Vertragsauslegung war die Grundlage für den gemeinsamen Antrag von SPD und Grünen zur gemeinsamen Nutzung der Neumühle im Jahr 2022. Die Stadtverordneten mussten davon ausgehen, dass die Vertragsauslegung der Verwaltung korrekt ist und die Stadtverordnetenversammlung das Recht hatte, über das Gelände zu bestimmen.
In Gremienprotokollen und in der Sportstättenrichtlinie von 2004 ist dieses Ziel für die Pachtverträge mit den Vereinen auch so dokumentiert.
In der Stadtverordnetenversammlung vom 11.12.2025 haben wir zusammen mit der SPD nun eine Prüfung beantragt, inwiefern das Urteil Auswirkungen auf die -soweit bekannt- gleichlautenden Pachtverträge der Stadt mit den Vereinen in den anderen Stadtteilen hat.
Wenn wir der Auslegung des Amtsrichters in dieser Sache folgen müssten, würde das bedeuten, dass die Stadt Pohlheim keine Sportentwicklung auf den Sportplätzen mehr betreiben kann, weil sie kein Verfügungsrecht über die Sportstätten hätte.
Wir respektieren die Entscheidung des Gerichts. Gleichzeitig ist es nicht nur unser Recht als Stadtverordnete, sondern in unseren Augen sogar unsere Pflicht, weitere Rechtsmittel zu prüfen und ggf. auch einzuleiten. Rechtliche Klarheit für alle Sportstätten Pohlheims zu schaffen, sehen wir als unsere Verpflichtung gegenüber allen sportlich aktiven Vereinen in unserer Stadt.
Es war immer unser Wunsch, den beiden Vereinen FC Gießen und FC Turabdin-Babylon Pohlheim e.V. eine gemeinsame Nutzung der Sportstätte Neumühle mit ihren Vorteilen für Spiele mit vielen Zuschauern und Training in den Abendstunden (großer Parkplatz, Kunstrasenplatz, in einem Gewerbegebiet liegend) zu ermöglichen. Darüber hinaus hatten wir die Idee, durch die Sanierung des Rasenplatzes und der Leichtathletikanlage auf dem Flurstückes 598/1 auch Schul- und Breitensport professioneller möglich zu machen. Vielleicht wären sogar in Absprache mit dem Erbauer FC Gießen die vorhandenen Tennisplätze wieder nutzbar zu machen gewesen (Ein Wunsch von Jugendlichen bei „Jugend entscheidet“.)
Das alles steht nun in Frage, weil die Investitionen durch die vom Gericht entschiedene Vertragsauslegung nicht mehr den Bürgern der Stadt, sondern dem einzigen verfügungsberechtigten Verein FC Gießen zugutekäme. Wenn der Pachtvertrag so ausgelegt werden muss, dass nur der FC Gießen Nutzen und Lasten des Geländes trägt, muss gefragt werden, ob die Stadt Pohlheim nicht in den letzten Jahren Lasten des FC Gießen getragen hat.
Wir sind von der professionellen Haltung des Vereins FC Turabdin-Babylon Pohlheim e.V. mit seinem Vorsitzenden Aziz Kartal beeindruckt. Seit vielen Jahren trainiert der Verein unter schwierigen Bedingungen und ist immer wieder politischen Kontroversen ausgesetzt. Trotz allem ist der Verein immer gesprächsbereit und kooperativ geblieben und hat sich trotz widriger Umstände in herausragender Weise dem gewidmet, was er nun mal kann: Erfolgreich Fußball spielen und schöne Tore schießen!
Allen Pohlheimer Vereinen wünschen wir sportlichen Erfolg!
